20 Jun 2026
EuGH überlässt Haftungsfragen bei illegalen Online-Wetten weiterhin nationalen Gerichten

Der Europäische Gerichtshof verweist Schadensersatzklagen deutscher Spieler gegen nicht lizenzierte Online-Glücksspielanbieter seit Jahren konsequent an nationale Gerichte, statt eine einheitliche EU-weite Entscheidung zu treffen, und dieses Muster setzt sich auch im Juni 2026 fort. Mehrere Vorabentscheidungsersuchen aus Deutschland und anderen Mitgliedstaaten haben bisher keine abschließende Klärung der Haftung bei Spielerverlusten auf illegalen Plattformen gebracht, obwohl Fälle wie diejenigen rund um den Anbieter Tipico bereits mehrfach vor dem Gerichtshof verhandelt wurden. Nationale Gerichte müssen daher weiterhin über mögliche Rückerstattungen entscheiden, was zu anhaltender Unsicherheit für Betreiber führt, die mit Forderungen in Milliardenhöhe konfrontiert sein könnten.
Hintergrund der wiederholten Vorlageverfahren
Deutsche Spieler haben vor dem 1. Juli 2021 auf Plattformen ohne deutsche Lizenz gewettet und fordern nun Erstattungen ihrer Verluste, während der Europäische Gerichtshof in früheren Urteilen wie C-440/23 die deutschen Beschränkungen für Online-Casino-Angebote bestätigte, doch die konkrete Haftungsfrage offenließ. Das Gericht überlässt es den nationalen Instanzen, die unionsrechtlichen Vorgaben auf Einzelfälle anzuwenden, und verweist dabei auf bestehende Rechtsprechung ohne neue grundsätzliche Leitlinien. Dadurch entsteht eine Situation, in der parallele Verfahren in verschiedenen Ländern unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen können, obwohl der Binnenmarkt eigentlich einheitliche Regeln erfordert.
Auswirkungen auf Betreiber und Marktstruktur
Betreiber wie Tipico sehen sich mit Sammelklagen und Einzelansprüchen konfrontiert, deren Gesamtsumme nach Schätzungen mehrere Milliarden Euro erreichen könnte, und diese Risiken belasten die Planungssicherheit auch nach Einführung des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Nationale Gerichte in Deutschland prüfen nun, ob die damaligen Angebote gegen EU-Recht verstießen und ob daraus direkte Schadensersatzpflichten entstehen, während ähnliche Fälle in anderen Mitgliedstaaten ebenfalls an lokale Behörden zurückverwiesen werden. Die fehlende EU-weite Klärung führt dazu, dass Unternehmen ihre Rückstellungen anpassen und rechtliche Strategien auf einzelne Jurisdiktionen zuschneiden müssen.
Rechtliche Implikationen für den Zeitraum bis 2026
Im Juni 2026 liegen dem EuGH weitere Vorabentscheidungsersuchen aus deutschen Oberlandesgerichten vor, die erneut die Frage nach der Rückerstattung von Verlusten bei nicht lizenzierten Anbietern aufwerfen, doch Beobachter erwarten keine grundlegende Abweichung vom bisherigen Ansatz. Die Kommission hat in Stellungnahmen betont, dass nationale Gerichte die Verhältnismäßigkeit von Beschränkungen im Einzelfall bewerten sollen, und verweist auf Berichte von EU-weiten Studien zur Kanalisierung des Marktes. Dadurch bleibt die Rechtslage fragmentiert, und Betreiber müssen sowohl deutsche als auch europäische Vorgaben gleichzeitig berücksichtigen.

Ein Beispiel zeigt, wie ein deutsches Landgericht in einem Verfahren gegen einen maltesischen Anbieter die Rückerstattung von Verlusten aus dem Jahr 2019 ablehnte, während ein anderes Gericht in einem vergleichbaren Fall eine Teilerstattung zusprach, und diese Inkonsistenz verdeutlicht die Notwendigkeit einer höheren Instanzentscheidung. Der EuGH hat in seinen Antworten stets auf die Autonomie der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung von Glücksspielregeln hingewiesen und gleichzeitig die unionsrechtlichen Grenzen der Werbeverbote und Lizenzpflichten skizziert.
Vergleichbare Entwicklungen in anderen EU-Staaten
In Österreich und den Niederlanden verweisen Gerichte ähnliche Klagen ebenfalls zurück an nationale Instanzen, und Berichte der Europäischen Kommission sowie Studien des kanadischen Gaming Policy Research Institute zeigen parallele Herausforderungen bei der Durchsetzung von Verbraucherrechten im grenzüberschreitenden Online-Glücksspiel. Diese Praxis führt zu unterschiedlichen Standards innerhalb der Union, obwohl die Dienstleistungsfreiheit eigentlich einheitliche Rahmenbedingungen vorsieht. Deutsche Betreiber beobachten die Entwicklungen genau, da Präzedenzfälle aus anderen Ländern direkte Auswirkungen auf laufende Verfahren haben können.
Schlussfolgerung
Die fortgesetzte Zurückverweisung durch den Europäischen Gerichtshof hinterlässt offene Fragen zur Haftung nicht lizenzierter Anbieter, und nationale Gerichte müssen diese Lücken bis zu einer möglichen zukünftigen Leitentscheidung schließen. Betreiber und Spieler stehen weiterhin vor unklaren Rahmenbedingungen, die durch die bestehenden Urteile und die aktuelle Praxis im Juni 2026 geprägt sind. Die Situation erfordert anhaltende Aufmerksamkeit für neue Vorlageverfahren und deren Auswirkungen auf den deutschen Markt. EuGH-Entscheidungen und Berichte von Forschungseinrichtungen wie dem kanadischen Gaming Policy Research Institute liefern zusätzliche Kontexte zu diesen Entwicklungen.